Nov
06
2009
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| Hermann Hesse - Unterm Rad |
| © Der Hörverlag |
Hermann Hesse thematisiert die Bitternisse der Jugend. Er ist der Dichter des Aufbegehrens, der Melancholie und des Scheiterns.
In dem Roman “Unterm Rad” geht es um um all das - beklemmenderweise besonders um das Scheitern. Dies ist umso bedrückender, als es einen jungen Menschen mit zwar schwacher körperlicher Konstitution, aber wachem, aufnahmefähigen Geist, ja, sogar brennendem Ehrgeiz betrifft, der den Anforderungen seiner Umwelt nicht Genüge tut.
Die Gefühlswirren der Pubertät bescheren ihm die innige Freundschaft zu einem Ungepassten, einem Verfemten. Während seines Abstiegs vom strebsamen Primus zum Verworfenen wenden sich alle Gönner von ihm ab, enttäuscht über unerfüllte Erwartungen. Sein Lebensweg verläuft sich im Unerheblichen.
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Nov
05
2009
Anna Seghers steht für die Identifikation mit den Verfolgten und Geknechteten. Das zeigen ihre berühmten Romane, die schon lange als Schullektüre gelten, um junge Menschen unmittelbar an soziale und politische Probleme heranzuführen.
Das siebente Kreuz über die schier aussichtslose Flucht aus einem deutschen Konzentrationslager oder Transit über die gefahrvolle Flucht quer durch Europa aus der deutschen Nazidiktatur sind die Prototypen für Political Correctness.
Die Erzählung Aufstand der Fischer von St. Barbara reiht sich ein in dieses aufklärerische Genre, das die Qual der Unterdrückten thematisiert. Die Fischer des Dorfes St. Barbara haben zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Abhängig von der ausbeuterischen Gier der Reeder, die ihnen die Bedingungen diktieren, ertränken sie ihre existentiellen Sorgen im Alkohol.
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Nov
04
2009
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| Hermann Hesse - Demian |
| © Der Hörverlag |
Hermann Hesse ist das unsterbliche Idol der Jugend, Symbol des Aufbruchs, der Individuation, der Selbstfindung, der Melancholie.
Seine Erzählung Demian, aus der autobiographischen Perspektive geschrieben, ist der Prototyp des Genres eines Entwicklungs- und Bildungsromans. Es geht um den Ablösungsprozess des Knaben Emil Sinclair von dem behüteten kindlichen Dasein eines bürgerlich geordneten Familienlebens. Er erlebt diese Entwicklung als einen heftigen Widerstreit zwischen der reinen Welt der Familie und den dunklen Verwirrungen, denen er sich in der Außenwelt aussetzt.
Scham und Verstrickung reichen so tief, dass er allein nicht den Mut findet, sich zu befreien oder sich anzuvertrauen. Max Demian, ein älterer Mitschüler, bewundert und gleichzeitig gemieden wegen seiner Überlegenheit und Reife, gibt ihm die Kraft, sich aus dem Bann zu lösen.
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Sep
06
2009
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Thomas Mann Deutsche Hörer! BBC-Reden 1941 bis 1945 |
| © Der Hörverlag |
Während einer Ferienreise in die Schweiz im Mai 1933 beschloss Thomas Mann angesichts der beginnenden nationalsozialistischen Diktatur, mit seiner Familie nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. Danach war er verschrien und verpönt als mit dem Feind Verbündeter und Fahnenflüchtiger.
Es wurde ein endgültiger Abschied. Seitdem lebte er abwechselnd im Exil in der Schweiz und - ab 1938 - in Kalifornien. Er nahm 1944 sogar voller Stolz die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Erst 1952 zog er in die Schweiz zurück, wo er bis zu seinem Tod 1955 lebte.
Thomas Mann hat sich nicht leicht getan als Redner. Er war kein Mensch, der das Bad in der Menge suchte. Er war zurückhaltend und verhalten, auf Distanz und Manieren bedacht. Öffentliche Auftritte erfüllten ihn, den unerbittlichen Selbstbeobachter, immer wieder mit Unsicherheiten und Selbstzweifeln.
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Sep
03
2009
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Thomas Mann Ich habe mich nie für groß gehalten |
| © Der Hörverlag |
“Ich habe mich nie für groß gehalten, aber ich liebe es, mit der Größe zu spielen und mit ihr auf vertraulichem Fuße zu stehen.” Erst in seiner Vollständigkeit offenbart sich die Ambivalenz des Zitats, aber auch die kritische Distanz des Menschen Thomas Mann zum Künstler Thomas Mann.
Das Tagebuch ist der Partner des Einsamen. Und so schrieb er neben all dem, das nach außen gekehrt, an den Leser und Hörer adressiert war, unermüdlich und ausdrücklich abgewendet für sich - also, unbedacht auf Wirkung, keine Vortragsprosa und ohne literarischen Anspruch: “Daily notes without any literary value” - nicht vor Ablauf von 20 Jahren nach seinem Tod der Nachwelt auszuliefern.
Thomas Manns Tagebuchüberlieferungen zwischen 1919 und 1955 umfassen zehn Bände mit 4500 Textseiten, sieht man ab von all jenen Aufzeichnungen, die er selbst vernichtet hat.
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Aug
31
2009
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Thomas Mann Joseph und seine Brüder |
| © Der Hörverlag |
1955 - es muss einer seiner letzten öffentlichen Auftritte gewesen sein: Wir hören die würdevolle Stimme eines greisen Mannes, ein wenig spröde, ein wenig brüchig, ja, bewegt, dabei aber präsent und mit dem Pathos, das uns heutzutage so ungewohnt klingt, uns aber umso mehr zu Herzen geht.
In Lübeck, seiner Geburtsstadt, liest Thomas Mann ein Kapitel aus den Josephsromanen. Die Tetralogie Joseph und seine Brüder war das Werk, das ihn über den Krieg getragen hat, dessen zutiefst Menschliches ihn faszinierte, als ein Werk fern aller bürgerlichen Inhalte, fern aller gewohnten Modernität hat es ihn 17 Jahre lang - von 1926 bis 1943 - in Anspruch genommen.
Das klingt unglaublich. Aber sein Anspruch an die Formulierungskunst war hoch, wie man seinem Alter Ego Aschenbach, dem alternden Dichter in der Novelle Tod in Venedig, schon entnehmen konnte: Er mochte sich nie mit einem “fröhlichen Ungefähr” zufriedengeben, sondern “brachte seine würdigsten Stunden der Kunst zum Opfer dar”.
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Aug
27
2009
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| Daniel Kehlmann - Ruhm |
| © Deutsche Grammophon Literatur |
Nach dem internationalen Erfolg seines Romans “Die Vermessung der Welt” hat Daniel Kehlmann mit seinem im Januar dieses Jahres erschienenen neuen Buch “Ruhm” für einige Verwirrung gesorgt. Wer gehofft hatte, in ähnlicher Weise wie bei der fiktiven Doppelbiographie Alexander von Humboldts und Carl Friedrich Gauß’ an die Hand genommen und geführt zu werden, findet sich nun in einem literarischen Spiegelkabinett wieder.
Die Orientierung in diesem Labyrinth moderner Poetik - immerhin ist Kehlmann Universitätsdozent für dieses Fach - wird auf vielfältige, nämlich doppelbödige Weise erschwert. Das Werk, ein Roman in neun Geschichten, ist eine Aneinanderreihung von Episoden, die an amerikanische Short Stories erinnern. Es geht um Reise, Entfernung, Veränderung.
Zunächst scheinen die Geschichten in keinem Zusammenhang zueinander zu stehen, bis man auf Querverbindungen aufmerksam wird. Die Personen tauchen unversehens in anderen Bezügen wieder auf, die Identitäten verschieben sich, Alltägliches wandelt sich zum Absurden, Überschaubares zum Vielschichtigen, Prominenz stürzt in die Bedeutungslosigkeit, der Aufsteiger ist schon zur Stelle.
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Aug
12
2009
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| Thomas Mann - Der Tod in Venedig |
| © Der Hörverlag |
Es ist Reiselust, die den Dichter treibt. Es wird eine Reise in die Untiefen seiner verborgenen Sehnsüchte, denen er allen Selbstschutz opfert - eine Reise ohne Wiederkehr.
Gustav Aschenbach ist schon zu Lebzeiten zu Ruhm und Ansehen gekommen - dank seiner Disziplin und Leidenschaft für sein Tun. Ein verliehener Adelstitel gibt ihm Glanz. Materiell gesegnet lebt er im feinen München.
Ein ungewöhnlich schwüler Maientag lässt ihn den Entschluss fassen, die Stadt zu verlassen und die adriatische Küste aufzusuchen. In Triest schifft er sich ein nach Venedig und erblickt die magische Silhouette der venezianischen Paläste aus der achtunggebietenden Perspektive der Seefahrer. Ein elegantes Bäderhotel am Lido mit internationalem Publikum wird sein standesgemäßes Domizil, wo ein adeliger, makellos schöner Knabe seine Aufmerksamkeit fesselt.
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Aug
07
2009
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| Thomas Mann - Tonio Kröger |
| © Der Hörverlag |
Tonio Kröger, dieser Name, eine Kreuzung aus norddeutscher Bodenständigkeit und südländischer Exotik, spiegelt den Konflikt eines Menschen, der zwischen zwei Welten und ihren Wertvorstellungen schwankt, nirgends fest verwurzelt ist.
Tonio Kröger ist der Sohn eines Lübecker Kaufmanns, des einflussreichen Konsuls Kröger, und seiner schönen, aus einer fernen Welt gefreiten Frau. Tonios fremdartige Physiognomie, sein Charakter, seine Denkungsart, heben sich von allem ab, was seine Umgebung von einem jungen aufstrebenden Kaufmannssohn erwartet.
Schon als 14jähriger Schüler schreibt er Verse und liest Schiller, während die Altersgenossen sich jungenhaft-sportlich beschäftigen. Das Ideal des weltzugewandten, mit sich und den anderen im Reinen lebenden jungen Menschen verkörpert Hans Hansen, anziehendes Idol und der heimlicher Geliebte seiner frühen Jahre, Kaufmannssohn wie er und der Liebling der Gesellschaft. So sein wie er und so bleiben wie er selbst - beides ist unversöhnlich. Auch seine erste Mädchenliebe, die blonde, unkomplizierte Inge Holm, verkörpert symbolhaft die Sehnsucht nach ungetrübter Selbstgewissheit.
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Jul
14
2009
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| Sibylle Lewitscharoff - Apostoloff |
| © Der Hörverlag |
Zwei Seelen wohnen in ihrer Brust. Aber nein, sie wohnen nicht ach in ihr. Denn Larmoyanz ist nicht ihr Geschäft. Aber die Ambivalenz, die ist in jeder ihrer Zeilen zu spüren. Ambivalenz? Wieder knapp daneben! Denn Entschiedenheit ist das andere Merkmal. Eine Entschiedenheit für klare Worte.
Klare Worte verschleiern nicht, beschönigen nicht, sie treffen wohl ins Schwarze. Wortklarheit und Gedankenschärfe - davor hat die Autorin keine Scheu. Auch nicht als Vorleserin. Sie ist zugleich die schwarzäugig-finster dreinblickende, Resolutheit verströmende Thrakerin mit dichtem schwarzgebliebenem bulgarischen Haarschopf und die distanziert-pietistische schwäbische Protestantin, deren “e” immer zu einem breiten “ä” gezogen wird.
Aber noch einmal zurück zum Ausgangspunkt: Sibylle Lewitscharoff ist die jüngere von zwei Töchtern einer deutschen Mutter und eines bulgarischen Vaters. Dieser war nach Kriegsende in das ehedem verbündete Deutschland emigriert und hatte sich eine erfolgreiche Existenz als Arzt aufgebaut.
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