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  Gunhild Simon: Studienrätin a.D.
  und Sprachexpertin des institut1
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Im Dickicht zusammengesetzter Verben

Von Gunhild Simon

Viele Verben kommen nicht ohne Vorsilbe aus. Sei es, dass sie dadurch präziser, konkreter, spezieller oder gar metaphorisch werden. Unterscheiden kann man zwischen den echten Präfixen, also solchen, die allein kein eigentliches Wort ergeben (be-, er-, ge-, ver-, zer-, ent-), und jenen, die für sich genommen bereits eine selbständige Präposition sind (ab-, ein-, aus-, an-, auf-, zwischen-, mit-, vor-, nach-, entgegen-, voran-, voraus...).

Neue Qualität zeigt sich erst, wenn sie ihre infinite Form verlassen. Da nämlich scheiden sie sich buchstäblich. Die unechten Präfixe gilt es abzutrennen.
abtrennen - trennt ab
einkaufen - kauft ein
ausatmen- atmet aus
fortfahren - fährt fort
voranstellen - stellt voran
einklammern- klammert ein
Das hat syntaktische Folgen. Denn das Prädikat klammert mit seinen beiden Teilen sämtliche weiteren Aussagen ein:
Sie kommt am Hauptbahnhof um Mitternacht mit dem Schnellzug an.

HINWEIS

Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder.

Sie entsprechen nicht in jedem Falle der Auffassung des institut1.

Beitrag von Gunhild Simon
Es gibt solche, die kommen scheinbar gleich daher. Erst durch ihre Betonung erhalten sie unterschiedliche Bedeutung - und das drückt sich dann syntaktisch aus! Diese janusköpfigen können mit über-, unter-, durch-, um-, wieder-, hinter- beginnen:
Es ist ein Unterschied, ob ich mit Problemen umgehen muss, oder ob ich sie umgehen muss! Ob ich ein Stoppschild überfahre oder überfahre.

Grundsätzlich gilt die Trennungsregel für zusammengesetzte Verben, sobald die jeweils vorangestellte Partikel betont ist:
umgehen- umgehen
umstellen- umstellen
übergehen- übergehen
untergehen- unterlaufen
durchfahren-durchfahren
durchgehen- durchlaufen
untergraben- untergraben
überziehen- überziehen
übersetzen- übersetzen
Natürlich gibt es wieder die Ausnahme, die alle Regeln zunichte zu machen scheint:
bevorstehen - steht bevor - bevorgestanden
bevormunden - bevormundet - bevormundet
Lassen Sie sich nicht foppen!
Im ersten Fall ist die Präposition bevor im Einsatz. Im zweiten hat das Verb, das sich von Vormund ableitet, ein echtes Präfix, nämlich be- erhalten. Mit diesem Trick lassen sich nämlich ganz einfach transitive Verben konstruieren.

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