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| Aspekte der deutschen Sprache (14) | |
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 Gunhild Simon: Studienrätin a.D. und Sprachexpertin des institut1
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Die Übertragungsspezialisten: Adjektive, deren verbale Herkunft verschwimmt
Von Gunhild Simon
Sprachbetrachtungen verlocken gelegentlich zu der Nachforschung über die fernen Wurzeln geläufiger
Begriffe. Das gerät manchmal zu der existentiellen Frage nach der Henne oder dem Ei. Jedenfalls
schweifen die Wortfelder, die sich von zunächst ganz schlichten Begriffen ableiten, oft weit ins
metaphorische.
Wissen - Unwissenheit - gewiss - Gewissheit - Gewissen
- gewissenhaft - gewissenlos... bewusst - unbewusst -
unterbewusst - bewusstlos -
Bewusstsein... .
weisen - Weisung - weise-
Weisheit - wohlweislich - naseweis (die Farbe weiß hat keine tiefere
Bedeutung,
wenn sie auch - leider - orthographische Parallelen zeigt!)
geben - Gegebenheit - Gabe - Begabung - begabt.
Das lässt sich vielerorts nachvollziehen:
verschlossen
befangen / unbefangen
geschwollen
geboten
unbeschwert
unerhört
unverschämt
vermessen
vergnügt
zerstreut
verwaist
vertraut
entzückt
getrost
HINWEIS
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder.
Sie entsprechen nicht in jedem Falle der Auffassung des institut1.
Beitrag von Gunhild Simon
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Manchmal will man sich besonders schlau ausdrücken - und greift unwillkürlich daneben.
Das sieht dann so aus:
missraten - entraten, was nicht das gleiche ist.
Der Ursprung von missraten ist geraten, geriet, geraten = sich entwickeln.
Der Ursprung von entraten ist raten = Rat geben. Entraten mit Gen. bedeutet verzichten. Also: bei missratenen Kindern kommt gelegentlich der
Gedanke auf, ihrer besser entraten zu haben!
Gesinnt - gesonnen: ein ähnlicher Fall:
gesinnt ist entgegen seiner Erscheinung kein Partizip von sinnen (- sann - gesonnen)
. Es geht auf die Gesinnung zurück. Deshalb ist man seinem ärgsten Feinde nicht
wohl gesinnt, ist nicht gesonnen, sich zu versöhnen und hat wohl schon oft auf
Rache gesonnen. Nicht viel anders verhält es sich mit gewöhnt - gewohnt
Während man an etwas gewöhnt ist, hat dies die Gewöhnung bewirkt, die es
einem gleichzeitig vertraut gemacht hat. Gewohnt etwas zu tun ist man durch die
Gewohnheit, die es einem vertraut gemacht hat. Also ist ein Musterkind daran gewöhnt
worden, die Hausaufgaben nachmittags zu erledigen und ist es gewohnt, sie anschließend
vorzulegen.
Es gibt Verben, von denen sind nur, einer wurzellosen Rose von Jericho gleich, ihre
Perfekt-Partizipien übrig. Sie kommen zu frischem Übertragungsglanz, während man sich ihres
Ursprungs kaum noch entsinnt. Wer denkt schon bei verschollenen Schiffbrüchigen an
schallen (scholl - geschollen)? Oder bei beflissenen Agenten an sich
befleißen (befliss - beflissen)?
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