institut1
Sprache Literatur Rhetorik
Sprachkritik - Literaturkritik - Rhetorik aktuell
 
STARTSEITE IMPRESSUM AGB DATENSCHUTZ DISCLAIMER
 
Sie sind hier:   > Startseite   > Die deutsche Sprache   > Aspekte der deutschen Sprache   > Adjektivdeklination für Ausgefuchste (10. Beitrag)
© 2004 - 2006 dcic
Version 1.000
dcic341961018
Updated:
Aspekte der deutschen Sprache (10)         zurück zum 9. Beitrag | zum 11. Beitrag
 

  Gunhild Simon: Studienrätin a.D.
  und Sprachexpertin des institut1
  (c) dcic - development company for
  internet contents, Bildarchiv

Etwas für Ausgefuchste: Die Adjektivdeklination - fast so undurchschaubar, wie sie klingt. Dennoch soll Licht ins Dunkel kommen.

Von Gunhild Simon

Sobald sich ein Adjektiv als Attribut einem Substantiv zuordnet - etwa der gesunde Mensch- erhält es eine spezifische Endung. Sie ändert sich je nach Kasus (Fall) und Genus (Geschlecht). Im Plural wird die Deklination erleichtert, weil sich im Deutschen - im Gegensatz etwa zu den romanischen Sprachen - nur ein grammatisches Geschlecht herstellen lässt ( die Rasen, Wiesen, Gräser ...).

Während sich das Adjektiv als Attribut in seiner Endung immer nach seinem Beziehungswort richtet, steht es als Prädikativ unveränderlich, endungslos.

Hier können alle Deutschlerner aufatmen:
Der Rasen / Die Wiese / Das Gras ist grün.
Die Rasen / Wiesen / Gräser sind grün.

Missverständnisse ganz anderer Art entstehen dagegen, sobald man zum unbestimmten Artikel greifen will: Jetzt ändert sich schlagartig das friedliche Bild, denn wieder neue Endungen sind zu komponieren.
Nun heißt es also: ein gesunder Mensch.

 Singular (Einzahl):

  1. Nominativ (wer?)  der grüne Rasen - die grüne Wiese - das grüne Gras
  2. Genitiv (wessen?)  des grünen Rasen - der grünen Wiese - des grünen Grases
  3. Dativ (wem?)  dem grünen Rasen - dergrünen Wiese - dem grünen Gras(e)
  4. Akkusativ (wen?)  den grünen Rasen - die grüne Wiese - das grüne Gras
  1. Nominativ (wer?)  ein grüner Rasen - eine grüne Wiese - ein grünes  Gras
  2. Genitiv (wessen?)  eines grünen Rasen - einer grünen Wiese -
 eines grünen Grases
  3. Dativ (wem?)  einem grünen Rasen - einer grünen Wiese -
 einem grünen Gras(e)
  4. Akkusativ (wen?)  einen grünen Rasen - eine grüne Wiese -  ein grünes Gras

 Plural (Mehrzahl):

  1. Nominativ (wer?)  die grünen Rasen / Wiesen / Gräser
  2. Genitiv (wessen?)  der grünen Rasen / Wiesen /  Gräser
  3. Dativ (wem?)  den grünen Rasen / Wiesen / Gräsern
  4. Akkusativ (wen?)  die grünen Rasen / Wiesen / Gräser
  1. Nominativ (wer?)  grüne Rasen / Wiesen / Gräser
  2. Genitiv (wessen?)  grüner Rasen / Wiesen / Gräser
  3. Dativ (wem?)  grünen Rasen / Wiesen / Gräsern 
  4. Akkusativ (wen?)  grüne Rasen / Wiesen / Gräser 

Will man sich nun - wie in gewissen Situationen erforderlich - artikelfrei ausdrücken, so zeigen sich ganz neue Klippen. Etwa:

Gesunde Menschen liegen gern auf grünem Rasen.
Dagegen:
Die gesunden Menschen liegen gern auf dem grünen Rasen.
Oder:
Gesunder Lebensführung ist regelmäßiger Aufenthalt an frischer Luft und und in unverfälschter Natur zuträglich.
Dagegen:
Der gesunden Lebensführung ist der regelmäßige Aufenthalt an der frischen Luft und in der unverfälschten Natur zuträglich.
Dagegen:
Einer gesunden Lebensführung ist ein regelmäßiger Aufenthalt ...(im Freien) zuträglich.
Oder:
Gesundem, glücklichen Leben schadet kein Aufenthalt in freier Natur.
Dem gesunden, glücklichen Leben schadet kein Aufenthalt in der freien Natur.
Einem gesunden, glücklichen Leben schadet nicht der Aufenthalt in der freien Natur.

Da muss fein unterschieden werden, wie die Endungen lauten. So verwirrend dies scheint, und so groß auch unsere Selbverständlichkeit bei der richtigen Verwendung sein mag, eine Regel lässt sich herausfiltern:
Die entscheidende Kasusendung muss erhalten bleiben!
Das gebrannte Kind scheut das Feuer.
Gebranntes Kind scheut das Feuer.

Kurioserweise gibt  es Bezeichnungen, die lauten je nach Bestimmtheitsgrad unterschiedlich:

der Beamte- ein Beamter
der Verwandte- ein Verwandter
der Bekannte- ein Bekannter
der Studierende- ein Studierender
der Asylsuchende- ein Asylsuchender*
*(Um Asyl kann man sich nämlich nicht bewerben, weil es einem unter bestimmten Voraussetzungen zusteht. Aber das ist ein ganz anderes, ernsteres Feld!)

Sicher haben Sie es erkannt: hier handelt es sich um substantivierte Adjektive. Und die folgen der Adjektivdeklination.
Mehr zum Thema
pdf aktuell nicht verfügbar
(pdf 0 kb)

Weitere Informationen zum Thema in Vorbereitung
Sprachbeiträge von Gunhild Simon
Zur Verwendung des Doppelkonsonanten "ss" oder des "ß" nach der Reform der Rechtschreibung
Deklination und Konjugation als grammatische Grundbegriffe - Was heißt das eigentlich: deklinieren und konjugieren?
Endungen der Substantive, die sich von Adjektiven ableiten
Die Substanz der Substantive - eine Betrachtung über Wortstamm, Wortform und Sinngehalt
Im Dickicht zusammengesetzter Verben
Die Übertragungsspezialisten: Adjektive, deren verbale Herkunft verschwimmt
Es wächst zusammen, was zusammengehört: das verzwickte Partizip Perfekt
Manchmal will man sich besonders elaboriert ausdrücken - und greift unwillkürlich daneben: Hochsprachliche Eskapaden - alles Irrtümer?
Haben oder sein - alles eine Frage von Richtung und Ziel
Die Adjektivdeklination - fast so undurchschaubar, wie sie klingt. Dennoch soll Licht ins Dunkel kommen.
Literaturkritik
Joseph Cardinal Ratzinger - Einführung in das Christentum: In diesem Standardwerk christlicher Literatur befasst sich der heutige Papst Benedikt XVI. mit dem Wesen des christlichen Glaubens
Jürgen Leinemann - Höhenrausch: Leinemann bescheinigt der Politikerkaste eine zunehmende Tendenz zum Realitätsverlust, wobei die Wirklichkeit immer weiter vom aufgeblähten Selbstbild der politischen Akteure verdrängt werde
Madeleine Albright - Die Autobiographie: Madeleine Albright blickt in ihren Erinnerungen auf eine erstaunliche Karriere und ein bewegtes Leben zurück
Eric Maron - Die Rebellinnen von Mallorca: Mallorca im Frühling 1343: In einem blutigen Feldzug erobern die Heerscharen Peres IV., König von Katalonien, Aragón und Valencia, das Inselreich
Literatur Bestellseiten
Joseph Cardinal Ratzinger - Einführung in das Christentum
Artikel drucken
Zurück Zum Seitenanfang