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Das Pronomen »es«

Von Gunhild Simon | 15.April 2009

 
Das Erwachen des Geistes
Das Erwachen des Geistes
Deckenfresko - Bartolomeo Altomonte
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Das Pronomen »es« kann als Satzglied auftreten. Dann ist es entweder Gleichsetzungsnominativ, vorläufiges Subjekt oder Pseudoaktant im Satzvorfeld.

Das Pronomen »es« ist ganz unscheinbar und doch schwer zu definieren. »es« ist ein Personalpronomen. Pronomen bedeutet Fürwort, Personalpronomen, persönliches Fürwort, es ist also ein Wort, das ein Nomen, ein Substantiv, ersetzt. Das Personalpronomen »es«, ein Neutrum im Singular, kann unterschiedliche Aufgaben erfüllen und Bedeutungen haben. Als Personalpronomen ersetzt oder vertritt es, um Wiederholungen zu vermeiden, etwas Bekanntes.

Das Tier ist krank. Es muss zum Tierarzt.

Es setzt in der Einheit mit einem Prädikatsnomen zwei Elemente gleich. Hier handelt es sich um einen Gleichsetzungsnominativ.

Es ist ein Tier.

Als vorläufiges Subjekt, gleichsam grammatischer Platzhalter, vervollständigt es einen Satz in inversiver Satzstellung:

Es ergab sich eine Frage.

Es kann als unpersönliches Subjekt dienen, obgleich niemand handelt, dies nennen wir Pseudoaktant.

Das gibt es nicht.

»es« als Gleichsetzungsnominativ

Der Gleichsetzungsnominativ folgt solchen Verben, die den Nominativ regieren, die ihn also fordern. Das sind die Verben sein, werden, bleiben, heißen, scheinen, gelten als. Einige reflexive Verben wie sich erweisen, sich behaupten, sich darstellen, sich vermitteln, sich ergeben, sich entpuppen als treten hier hinzu.

Es ist dies ein Problem. Dies ist ein Problem. Es ist ein Problem. Ein Problem ist: ...

Genaugenommen enthält der erste Satz sogar drei Nominative: es, dies, ein Problem.

Der Gleichsetzungsnominativ ist die Erscheinungsform des Prädikatsnomens, wenn es als Substantiv auftritt. Dies verlangen die Verben sein, werden, heißen, bleiben, scheinen.

Am Beispielsatz verdeutlicht ergibt sich:

Es ist ein Problem. Es wird ein Problem. Es heißt ein Problem. Es scheint ein Problem.

Reflexive Verben mit einer ähnlichen Aussage, wie sich erweisen, sich behaupten, sich darstellen, sich vermitteln, sich ergeben als u. ä., geben diese Konstruktion durch ihre Rückbezüglichkeit vor. Sie sind jedoch durch das Reflexivpronomen »sich«, ein formales Akkusativobjekt, das neben den doppelten Nominativ tritt, zu unterscheiden. In diesen Konstruktionen könnte man den nachgestellten Nominativ, der zunächst auf die Frage »Wer?« oder »Was?« antwortet, auch ersetzen durch einen Akkusativ, der auf die Frage »Wen?« oder »Was?« antwortet.

»es« als Platzhalter oder vorläufiges Subjekt

In bestimmten Satzformen muss das Vorfeld immer von einem Satzglied besetzt sein. Das liegt daran, dass im deutschen Satz zwar die Satzstellung nicht festgelegt ist, dagegen die Stellung des Prädikats unverrückbar ist. Die Regel lautet so: Das finite Verb, also der Teil des Prädikats, der durch das konjugierte Verb ausgedrückt wird, steht im Hauptsatz immer an zweiter Stelle. Wenn aus Gründen der Gewichtung vorerst kein richtiges Satzglied infrage kommt, springt das Pronomen »es« ein. Es ist dann eine Art Platzhalter im Vorfeld.

Diese Form tritt auch bei unpersönlichen Sätzen auf, also solchen, die gar keine handelnde Person, ein Subjekt enthalten:

Es wurde eifrig diskutiert.

Eifrig wurde diskutiert.

Der Platzhalter verschwindet, sobald ein anderes Satzglied an seine Stelle tritt. Diesen Vorgang nennt man auch Inversion, Umkehrung der Satzstellung.

»es« als Pseudoaktant bei unpersönlichen Verben

»Es« kann auch ein formales Subjekt sein. Dieses vertritt bei unpersönlichen Verben ein nicht tatsächlich handelndes Subjekt. Deshalb nennt man es Pseudoaktant, »Falscher Handelnder«:

Es regnet.

Es schneit.

Der unterschiedliche Einsatz, die Frage der Satzstellung, ist eine Stil- und Gewichtungsfrage. Satzumstellungen, vorangestellte Nebensätze oder Umstandsbestimmungen, Adverbiale, dagegen bewirken zwingend den Wegfall des vorläufigen Subjekts »es«.

Es traten zwei Personen ein.

Zwei Personen traten ein.

Nun traten zwei Personen ein.

In diesem Augenblick traten zwei Personen ein.

Als die Tür sich öffnete, traten zwei Personen ein.

Wikipedia: »Nominativ«

Duden: »Gleichsetzungsnominativ«

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