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| Rhetorik - Predigt und Rhetorik |
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 Wappen Seiner Heiligkeit Benedikt XVI. vormals Joseph Cardinal Ratzinger
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Rhetorische Höhepunkte der Predigt "pro eligendo papa" von Kardinaldekan Joseph Ratzinger am 18. April 2005

Als Hauptzelebrant der Messe "pro eligendo papa", die vor dem Einzug ins Konklave im Petersdom in Rom stattfand, hat Joseph Ratzinger eine unvergessene, programmatische Predigt gehalten.
institut1 hat diese Predigt unter den Kriterien Authentizität, Position, Komplexinhalt, Temperatur und Farbe untersucht.
Das Ergebnis: Auch unter rhetorischen Gesichtspunkten vermag die Predigt zu beeindrucken. Sie ist ein Beitrag zur Entwicklung der Redekunst.

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Rhetorische Kriterien und Erläuterungen
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Authentizität
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Redet der Redner in eigener Sprache?
Enthält die Rede Ich-Botschaften?
Passt die Rede zum Redner?
Ist die Rede echt mit der Folge der Glaubwürdigkeit?
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Position
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Wird die Rede der Rolle und Funktion des Redners gerecht?
Hat der Redner erforderliche Reflexionen geleistet?
Ist die Rede angemessen?
Wird der Redner der Situation gerecht?
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Komplexinhalt
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Sind Meta-Botschaften enthalten, Inhalte die über, ober- oder außerhalb der Rede liegen?
Wird effizient kommuniziert, also auf Inhalte geachtet und gleichzeitig eine Meta-Position aktiviert?
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Temperatur
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Besteht Stimmigkeit zwischen Redner, Publikum und Situation?
Ist die Rede im richtigen Grade engagiert?
Ist die Rede unterkühlt, überhitzt oder wohl temperiert?
Besteht ein hinreichender Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung?
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Farbe
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Ist die Rede verwaschen oder deutlich?
Ist die Rede spröde oder bildhaft?
Werden Stilmittel gekonnt angewandt?
Leistet die Rede einen Beitrag zur Entwicklung der Redekunst?
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Auszug 1: Gnade und Vergeltung
Die Barmherzigkeit Christi ist keine Gnade zu einem billigen Preis, sie legt
nicht die Banalisierung des Bösen zugrunde. Christus trägt in seinem Leib und
auf seiner Seele das ganze Gewicht des Bösen, seine ganze zerstörende Kraft. Er
verbrennt und formt das Böse im Leid um, im Feuer seiner leidenden Liebe. Der
Tag der Vergeltung und das Gnadenjahr fallen im Ostergeheimnis zusammen, im
gestorbenen und auferstandenen Christus. Das ist die Vergeltung Gottes: Er
selbst, in der Person des Sohnes, leidet für uns. Je mehr wir von der
Barmherzigkeit des Herrn getroffen werden, desto mehr treten wir in die
Solidarität mit seinem Leiden ein – wir werden bereit, in unserem Fleisch das zu
ergänzen „was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1, 24).
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Rhetorische Kritik Auszug 1: Gnade und Vergeltung
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Authentizität
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Klarheit und Präzision, argumentierende Prinzipienfestigkeit und auf hohem Niveau reflektierte Analyse schon im ersten Satz: "Die Barmherzigkeit Christi ist keine Gnade zu einem billigen Preis, sie legt nicht die Banalisierung des Bösen zugrunde."
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Position
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Die Reihung der Begriffe - Christus - die Gnade - das Böse - Gott - Person - Herr - Solidarität - Wir - stellt eine umschließende und umfassende Situation in einer für die katholische Kirche bedeutenden und entscheidenden Stunde her.
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Komplexinhalt
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Das Wesen des Konklaves wird präsent und transparent.
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Temperatur
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Die Temperatur von Aussage und Vortrag stimmt, alle Beteiligten werden einbezogen und interessiert.
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Farbe
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Wir sehen die hohe Kunst abstrakt-präziser Bildhaftigkeit: ... keine Gnade zu einem billigen Preis, ... nicht die Banalisierung des Bösen, ... im Feuer seiner leidenden Liebe, ... das ist die Vergeltung Gottes, ... in unserem Fleisch das zu ergänzen.
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Auszug 2: Relativismus
Wie vielen Widerstreit der Wellen haben wir in den letzten Jahrzehnten kennen
gelernt, wie viele ideologische Strömungen, wie viele Denkweisen… Das kleine
Boot des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wellen umher
geworfen worden – von einem Extrem ins andere: Vom Marxismus zum Liberalismus,
bis hin zum Libertinismus; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom
Atheismus hin zu einem vagen religiösen Mystizismus, vom Agnostizismus zum
Synkretismus und so weiter. Jeden Tag entstehen neue Sekten und es realisiert
sich das, was der heilige Paulus über den Betrug der Menschen sagt, über die
Verschlagenheit, die in die Irre führt (vgl. Eph 4, 14). Einen klaren Glauben zu
haben, gemäß dem Credo der Kirche, wird oft als Fundamentalismus hingestellt.
Während der Relativismus, also das „hin und her getrieben Sein vom Widerstreit
der Meinungen“ als die einzige Einstellung erscheint, die auf der Höhe der
heutigen Zeit ist. Es konstituiert sich eine Diktatur des Relativismus, die
nichts als definitiv anerkennt und die als letztes Maß nur das Ich und seine
Bedürfnisse lässt.
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Rhetorische Kritik Auszug 2: Relativismus
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Authentizität
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Ein Hauptsatz der Theologie des Joseph Ratzinger, "Einen klaren Glauben ... haben, gemäß dem Credo der Kirche", erscheint hier vordergründig als Nebensatz, tatsächlich aber steht er im Zentrum der Passage. Die
Gewissheit des Redners lässt zu, die Kernaussage nahezu unscheinbar einzubringen.
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Position
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Ratzinger füllt hier seine Funktionen als Kardinaldekan voll aus, er beschreibt Ausgangspunkt und Ziel des anstehenden Konklaves, seine Position, seine Sicht, seine Lösung.
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Komplexinhalt
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Zum einen wird die Lage der katholischen Kirche im geschichtlichen und intellektuellen Prozess deutlich, zum anderen die Fähigkeit des Redners, die Herausforderungen geistig und argumentativ zu bewältigen.
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Temperatur
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Wir finden eine raumgreifende Synthese Bachscher Analytik und Mozartianischer Gestaltungskraft. Wir sehen einen wohltemperierten Klang von Beschreibung, Substanz und Perspektive.
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Farbe
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Wellen und Boot, fehlgehende Geistesströmungen und extreme Ideologien schlagen gegen einen fundamentierten Glauben, der im Zentrum steht, ein Bild herausragender, bereichernder Redekunst.
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