institut1 - 19. Oktober 2005, 09:12
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RECHTSCHREIBUNG

Zur Verwendung des Doppelkonsonanten "ss" oder des "ß" nach der Reform der Rechtschreibung

Von Gunhild Simon

Der Grundgedanke der Rechtschreibreform in Bezug auf s/ss/ß ist, dass das Doppel-S genauso zu behandeln sei, wie jede andere Konsonanten-Verdoppelung nach einem kurzen (oder offenen) Vokal.

Als Beispiele seien angeführt: Sinn - sinnen, Sepp - Seppel, Lamm - Lämmer, schlaff - erschlaffen. Auf diesem Wege kam auch das Stoppschild zu seinem Doppel-P. Der Tipp durfte auch nicht leer ausgehen. Nur warum wurde das Set vergessen? Gibt es nicht längst das Verb setten?

Ob einem kurzen/offenen Vokal allerdings ein Doppelkonsonant folgt, erkennt man erst an der Verlängerung eines Wortes. So fallen etwa herum, an, zum, das oder weg nicht unter diese Regel, weil sie keine entsprechende Verlängerung aufweisen können.

Entscheidend ist demzufolge gleichermaßen, dass dem kurzen Vokal nur ein Konsonant folgt. So werden etwa Vokale, denen zwei Konsonanten aufeinanderfolgen, in der Regel automatisch kurz gesprochen: bald, rund, schuld, folgt oder Abt. Jedoch kann das R auch eine Dehnungsfunktion ausüben, so nach a und e. Z.B.: karg, darben, Pferd; jedoch nicht nach i, o, u: z.B. Wirt, Furt, Mord.

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Beitrag von Gunhild Simon
Umgekehrt werden Vokale lang gesprochen, sobald dem nachfolgenden Konsonanten wiederum ein Vokal folgt: schade, schlafen, Bote, Ufer. Folgt man nun diesem Grundgedanken, wird klar: es muss Fass - Fässer heißen, jedoch fast; also auch Kuss - Küsse.

Wird allerdings ein Vokal vor einem scharfen s (es heißt stimmloses s, weil die Stimme unbeteiligt bleibt) lang/geschlossen gesprochen, und diese Aussprache auch in der Verlängerung erhalten bleibt - wie etwa bei Gruß - Grüße, so schreibt man ß bereits im Wortausgang (das ist ja das schwierigste!). Den Unterschied hört man also bei Guss - Güsse, Gruß - Grüße, Mus - Muse, müßig - Muße, Muse - Musen, müssen - muss und allemal Museum.

Diphthonge, also Doppelvokale, sind per se nur lang zu sprechen, sie müssen also, sobald auch in der Verlängerung der scharfgesprochene Charakter des s-Lauts deutlich wird, ein ß nach sich ziehen: Geiß - Geißen, Greis - Greise, er verließ - verließe er, Verlies - Verliese, Schmaus - schmausen, jedoch aus - außen, außer. Eigentlich müsste es auß heißen oder vielleicht auser Haus? Aber wer will schon Sprache reglementieren?

"dass" schreibt sich nur aus Unterscheidungs- oder Anpassungsgründen so. Hätte man es bei der alten Schreibweise belassen, hätte es anderen Ausspracheregeln folgen müssen. Ähnliches hat es auf sich mit weg und dem Substantiv Weg - Wege. Beide habe etymologisch sicherlich dieselbe Wurzel. Nur die Notwendigkeit der Unterscheidbarkeit hat sich in der Aussprache niedergeschlagen.

Eine weitere Besonderheit weisen alle Substantiva auf, die auf -nis enden. Hier bleibt das S regelwidrig einfach erhalten. Es hätte wohl auch zu weit geführt mit der Reglementierung!

Dem schreibenden Anwender der Regeln sei also empfohlen: Viel Spaß und Späße im Übermaß. Wollen wir genießen: Genuss und Lust sowie Gelüste in Maßen.


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