Apr 10 2009
Rhetorik - eine der sieben freien Künste
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| Tübinger Hausbuch - Handschrift Universitätsbibliothek Tübingen |
| public domain |
Die Sieben freien Künste, ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern, galten im Mittelalter als Vorbereitung auf die eigentlichen wissenschaftlichen Fächer Theologie, Jurisprudenz und Medizin.
Das Tübinger Hausbuch, eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, zeigt von links nach rechts die Geometrie, Logik, Arithmetik, in der Mitte die Grammatik, Musik, Physik (anstatt der Astronomie) und Rhetorik. Sie wurden als Freie Künste bezeichnet, um sie gegenüber den praktischen Künsten (artes mechanicae) als höherrangig zu bewerten.
Die freien Künste waren des freien Mannes würdig. Als freier Mann galt, wer nicht zum Broterwerb arbeiten musste. Also konnten nur die Beschäftigungen eines freien Mannes würdig sein, welche keine Verbindung mit dem Gelderwerb hatten. Seneca schrieb in seinem 88. Brief: “Quare liberalia studia dicta sunt vides: quia homine libero digna sunt.”
Unterschieden wurde zwischen dem Trivium, den sprachlich und logisch-argumentativ ausgerichteten Fächern, und dem Quadrivium, den mathematischen Fächern. Grammatik, Rhetorik und Logik bildeten das Trivium, den Dreiweg, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie das Quadrivium, den Vierweg.
Die liberal arts colleges in den USA
Im amerikanischen Hochschulwesen werden als liberal arts Studiengänge bezeichnet, die der Allgemeinbildung und der Ausbildung grundlegender intellektueller Fähigkeiten sowie der Ausdrucksfähigkeit dienen. Sie grenzen sich damit gegen die berufsvorbereitenden oder wissenschaftlich spezialisierten Studiengänge ab oder sind ihnen vorgelagert. Die liberal arts studies gehören zu den undergraduate studies und werden an eigenen, meist privaten liberal arts colleges studiert.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, bedingt durch den Ausbildungsbedarf heimkehrender Kriegsteilnehmer und die zunehmende technische und informationstechnologische Spezialisierung der Arbeitswelt, war die spezifische Ausrichtung der liberal arts colleges auf Allgemeinbildung jedoch einem wachsenden Anpassungsdruck ausgesetzt, da die Nachfrage nach einer mehr berufspraktisch und an den Bedürfnissen des aktuellen Arbeitsmarktes ausgerichteten Ausbildung zunahm.
“Nach einer Studie von 1998 hatten nur 3% aller College-Absolventen in den USA einen Abschluss an einem liberal arts college erworben, im weiteren Ausbildungs- und Berufsleben dann jedoch eine überproportionalen Anteil an den wirtschaftlichen und politischen Führungskräften (8% der Forbes-Liste, 19% der US-Präsidenten) und Pulitzer-Preisträgern (zwischen 6% und 23%) erreicht.” (Wikipedia - Sieben Freie Künste)
Das European College of Liberal Arts in Berlin
An der spezifischen Ausrichtung der US-amerikanischen liberal arts colleges orintiert sich in Deutschland das private European College of Liberal Arts (ECLA) in Berlin. Es ist ein kleines, von einigen deutschen Heimkehrern, die in den USA studiert haben, gegründetes College in Berlin, das es sich zum Ziel gesetzt hat, das amerikanische Konzept der liberal arts education nach Deutschland zu bringen.
Das ECLA ist ein College ohne Fachbereiche, das sich dem integrierten Studium von Werten verschrieben hat. In jedem akademischen Programm arbeiten Studenten des ECLA mit Lehrkräften, die unterschiedliche Hintergründe haben, an moralischen, politischen, erkenntnistheoretischen, religiösen und ästhetischen Fragen im Bewusstsein, dass diese Fragen natürlich und tief miteinander verbunden sind.
Mögliche Gebiete der Spezialisierung sind Kunst und Ästhetik, Ethik und politische Theorie, Literatur und Rhetorik. Die Studenten werden in kleinen Diskussionsseminare und Einzeltutorien von Lehrkräften aus Disziplinen wie Philosophie, Literatur, politische Theorie, Kunstgeschichte oder Filmtheorie unterrichtet.
Die Verfügbarkeit von Stipendien ermöglicht es dem College, keinen qualifizierten Studenten wegen fehlender Mittel zurückweisen zu müssen. Studenten und Lehrkörper stammen aus der ganzen Welt und arbeiten in englischer Sprache zusammen. Sie teilen einen kleinen Wohn-Campus und die kulturellen Reichtümer einer der pulsierendsten Hauptstädte Europas. (European College of Liberal Arts)

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