Aug 07 2009
Thomas Mann liest Tonio Kröger
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| Thomas Mann - Tonio Kröger |
| © Der Hörverlag |
Tonio Kröger, dieser Name, eine Kreuzung aus norddeutscher Bodenständigkeit und südländischer Exotik, spiegelt den Konflikt eines Menschen, der zwischen zwei Welten und ihren Wertvorstellungen schwankt, nirgends fest verwurzelt ist.
Tonio Kröger ist der Sohn eines Lübecker Kaufmanns, des einflussreichen Konsuls Kröger, und seiner schönen, aus einer fernen Welt gefreiten Frau. Tonios fremdartige Physiognomie, sein Charakter, seine Denkungsart, heben sich von allem ab, was seine Umgebung von einem jungen aufstrebenden Kaufmannssohn erwartet.
Schon als 14jähriger Schüler schreibt er Verse und liest Schiller, während die Altersgenossen sich jungenhaft-sportlich beschäftigen. Das Ideal des weltzugewandten, mit sich und den anderen im Reinen lebenden jungen Menschen verkörpert Hans Hansen, anziehendes Idol und der heimlicher Geliebte seiner frühen Jahre, Kaufmannssohn wie er und der Liebling der Gesellschaft. So sein wie er und so bleiben wie er selbst - beides ist unversöhnlich. Auch seine erste Mädchenliebe, die blonde, unkomplizierte Inge Holm, verkörpert symbolhaft die Sehnsucht nach ungetrübter Selbstgewissheit.
Nach dem frühen Tod des Vaters, der Liquidierung der Firma und der Neuvermählung der Mutter verlässt Tonio Kröger kaum erwachsen seine Vaterstadt. Im fernen München findet er Erfüllung als Künstler, als Literat.
Zu Ansehen und Ehren gekommen kehrt er zurück an die Stätten der Vergangenheit. Unerkannt wandelt er auf den Pfaden seiner Jugend - ein Wiedererstehen und ein Abschied. Die Reise führt ihn schließlich nach Dänemark, dem nachbarlichen Land, dem er sich innerlich verbunden fühlte, ohne es zu kennen.
Dort begegnet er seinen Jugendidolen wieder - Hans und Inge - sie sind ein Paar. Jedoch ist dies nur die Phantasie Tonios, die ihn bei der Betrachtung zweier ebenso bewundernswert vollkommener Menschen überkommt. Die Reise nach Norden gerät zu einer neuerlichen Konfrontation mit seiner seit Jugendtagen nicht integrierbaren Andersartigkeit.
Thomas Mann schrieb die Erzählung “Tonio Kröger” im Jahre 1903. Er war erst 28 Jahre alt.
Die Erzählung trägt unverkennbar autobiographische Züge. Wiederum verarbeitet Thomas Mann seine Kindheits- und Jugenderfahrungen in Lübeck. In Tonio Kröger lebt, wie auch in Hanno Buddenbrook, dem musischen, unverstandenen Versager, der Konflikt auf, dem Thomas Mann zeitlebens sich ausgeliefert sah. Es ist der Widerspruch zwischen Kunst und Leben. Zugleich ist es ein Bekenntnis zu seinem Künstlertum und seiner Sehnsucht nach bürgerlicher Gewöhnlichkeit, die ohne einander nicht sein können.
Das Hörbuch Tonio Kröger ist ein einzigartiges Dokument. Aufgenommen wurde es 1955, einige Monate vor Thomas Manns Tod. Thomas Mann liest in der Manier des Grand Seigneurs, sehr ruhig und gemessen, sehr prononciert und bewegt zugleich. Man erlauscht in jedem Satz, wie ihm das Schicksal Tonios zu Herzen geht.

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